Der neue Papst – Hoffnungsträger von Katholiken, Juden und Muslimen

Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio, der sich von nun an Franziskus nennt, gilt als volksnah und bescheiden. Er fährt auch gerne mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Seine Eltern waren Einwanderer aus Italien und da er auch die italienische Staatsbürgerschaft besitzt, ist er irgendwie auch ein Italiener. Als Jesuit steht er für Reformen zurück zum katholischen Glauben.

Da Jorge Mario Bergoglio in Südamerika, einem Kontinent, auf dem überwiegend Armut herrscht, tätig war, ist es selbstverständlich, dass er hauptsächlich mit armen Menschen zu tun hatte.

Er ist aber nicht der erste außereuropäische Papst. Victor I. war der erste afrikanische Papst (189-199). Der zweite afrikanische Papst war Meltiades (320) für nur wenige Monate und der dritte Gelasius (492-496).

Die Wahl des 266. Papstes erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem das muslimisch-christliche Verhältnis sehr angespannt ist. Als Gründe gelten die Unterdrückung von Christen in muslimischen Ländern und eine grosse Skepsis gegenüber dem Islam in christlichen Ländern, sowie ethnische Spannungen zwischen afrikanischen Christen und Muslimen.

Viele Muslime hatten ihre Probleme mit dem ausgeschiedenen Papst Benedikt XVI. Ausschlaggebend dafür, war ein Zitat, das Benedikt XVI. bei seiner Rede in Regensburg im Jahr 2006 benutzt hat. „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden“, zitierte er Kaiser Manuel II.

Darüber hinaus ist der Vatikan-Staat ist ein entschiedener Gegner eines EU-Beitritts der Türkei. Dies veranlasst viele Muslime zu der Annahme, dass die Religion ausschlaggebend sei für die Ablehnung des türkischen EU-Beitritts. Der Argwohn der Muslime gegen den Vatikan wurde 2006 durch die Auswechslung des Vorsitzenden des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog (PCID), Michael L. Fitzgerald nur noch verstärkt. Denn Fitzgerald galt als islamfreundlich. Weitere islamfreundliche Kardinäle sind dem US-Wissenschaftler Chris van Gorder zufolge: Angelo Scola of Milan, Francis Arinze und Peter Turkson.

Der neue Papst galt in seiner Laufbahn als Erzbischof nicht als aktiver Vertreter des christlich-islamischen Dialogs. Erfahrungen in diesem Bereich hat er nicht.

Die offizielle Reaktion Israels zu Franziskus I., formuliert von Staatspräsident Schimon Peres war:  „Der neugewählte Papst repräsentiert Hingebung, die Liebe Gottes, Friedensliebe, eine heilige Bescheidenheit und einen neuen erwachenden Kontinent. Möge der Herr den neuen Papst segnen.“

Dem Gratulationsschreiben fügte Peres auch eine Einladung an den neuen Papst bei, „dem Heiligen Land so bald wie möglich einen Besuch abzustatten. Der Papst sei ein „Mann der Inspiration“ und könne einen Beitrag leisten, „in dieser stürmischen Region Frieden zu bringen“.

Der jüdische Weltkongress (WJC) meinte: „Papst Franziskus I. ist für uns kein Unbekannter“. Der neue Papst sei ein offen denkender (open minded) Mann des Dialogs mit der Fähigkeit, Brücken zu anderen Konfessionen zu bauen.

Rabbi Marvin Heir hat im Namen des Simon Wiesenthal Center (SWC) hat in einer Eilmeldung veröffentlicht: „Wir haben einen guten Grund, darauf zu vertrauen, dass Papst Franziskus I. ein unermüdlicher Verteidiger der historischen Nostra Aetate sein wird, der Deklaration zur Beziehung zwischen der Kirche und den nicht-christlichen Religionen, während des Zweiten Vatikanischen Konzils verabschiedet.“

Abraham H. Foxman, Direktor der einflussreichen jüdisch-amerikanischen „Anti-Defamation League“ weiß um mehrere jüdische Feiertage, an denen sich Kardinal Bergoglio in der jüdischen Gemeinde von Argentinien beteiligt hat.

Bergoglio hat auch das Vorwort für ein Buch des Rabbiners Sergio Bergman aus der argentinischen Hauptstadt verfasst. Darin bezeichnete er den Autor als „einen meiner Lehrer“.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland beglückwünschte Franziskus I. zu seiner Wahl. In der Stellungnahme von Zentralratspräsident schreibt Dieter Graumann: „Der neue Papst hat bisher schon gezeigt, dass er der jüdischen Gemeinschaft mit ganz besonderer Wärme und Herzlichkeit begegnet. Wir gehen deshalb davon aus dass er dem katholisch-jüdischen Verhältnis während seines Pontifikats eine große Bedeutung zukommen lassen wird. Unsere Hände sind weit ausgestreckt, um den intensiven und freundschaftlichen Dialog mit der katholischen Kirche weiterzuführen. Wir sind sehr zuversichtlich, dass sich bei gutem Willen und gegenseitigem Respekt auch für schwierige Fragen gemeinsame Lösungen finden lassen. Mit Papst Franziskus verbinden wir daher besonders große Hoffnungen, die tief aus dem Herzen kommen.“

Im Juni 2008 in Buenos Aires, bei einem kleinen Vorbereitungstreffen für den Kongress Lausanne III in Kapstadt, hielt der damalige Erzbischof, Mario Jose Bergoglio, der kleinen Gruppe von Christen aus allen Konfessionen eine Bibelarbeit. Er sprach über die Frage von Jesus an Petrus (Johannes 21): „Hast du mich lieb?“ Er zeigte damit ein Herz für Evangelisation und einem Respekt für Christen anderer Konfessionen. Wird er die festgefahrenen Gräben gegenüber Evangelischen, Pfingstlern und Charismatikern innerhalb der katholischen Kirche aufbrechen?

Anders sah dies noch der Abtprimas des Benediktinerordens, Notker Wolf (Rom), in einer ARD-Sondersendung am 13. März. Er sagte, dass die Evangelikalen in katholische Gemeinden eindrängen und sie spalteten. Zur Einführungsfeier des Papstes am 19. März in Rom hat der Vatikan zwei WEA-Vertreter eingeladen: Generalsekretär Geoff Tunnicliffe (New York) und den Vorsitzenden der Theologischen Kommission, Prof. Thomas Schirrmacher (Bonn). Die WEA repräsentiert rund 600 Millionen Evangelikale in 128 Ländern. Die Wahl seines Papstnamens nach dem auch in evangelischen Kreisen geschätzten Franz von Assisi (um 1181-1226) könnte eine Brücke zum Gespräch sein.

Nach Ansicht des Ökumenereferenten der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), Propst Gert Kelter (Görlitz), könnte der Papst bei der Namenswahl auch Franz von Sales (1567-1622) vor Augen gehabt haben, der Jesuitenkollegiat, Fürstbischof von Genf und Ordensgründer war. Dieser habe sich wie Franz von Assisi durch Einfachheit, Bescheidenheit und Zuwendung zu den Menschen ausgezeichnet. Zugleich habe er maßgeblichen Anteil an der Rekatholisierung des calvinistisch gewordenen Genfer Bistums. „Dabei verzichtete er auf die damals übliche konfessionelle Polemik und überzeugte durch Argumente, die er aufgrund seiner intensiven theologischen Beschäftigung mit dem Calvinismus liebenswürdig vorzubringen wusste.

 

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